Google hat die „augmented reality“ neu erschaffen. Mit Ingress, entwickelt durch nianticproject, wird das Geocaching in eine virtuelle Welt übertragen…oder war es umgekehrt?

„The world around you is not what it seems“

Mit diesen ein wenig pathetischen Worten beginnt die Beschreibung des Spiels. Und wenn man sich darauf einlässt, einen cyberwar zu führen, der aber an realen Orten ausgetragen wird, haben die Macher absolut Recht. Ingress ist eine Mischung aus WoW, Geocaching und einer gehörigen Portion Matrix.

Die Philosophie des Spiels ist im Grunde recht einfach. Die National Inteligence Agency hat eine Materie entdeckt, exotic matter, mit der sich die Menschen unterschwellig beeinflussen lassen. Bei der Anmeldung zum Spiel muss man sich für eine der beiden Fraktionen entscheiden, die „enlightened“, für die diese Materie eine Erleuchtung ist und die „resistance“, die sich gegen die Kontrolle auflehnt. Für welche Seite man sich entscheidet, mag tiefenpsychologisch betrachtet, sicherlich einiges über die Persönlichkeit des users aussagen, soll hier aber erstmal keine Rolle spielen.

Endlich angemeldet, geht es schon los…man muss Portale hacken, Items sammeln, Resonatoren sprengen, eigene Resonatoren setzen und links und fields erstellen…klingt erstmal wenig spektakulär. Doch Ingress ist deutlich anders. Das einzige, was man alleine und zu Hause am PC machen kann, ist eine Route planen, auf der man sich hinterher bewegen wird. Ein online-Spiel, das darauf aufbaut, dass die user nicht am pc sitzen oder vom Sofa aus mit dem android-phone Armeen fernsteuern? Ich zitiere da mal den unvergessenen Peter Lustig von der Pusteblume – klingt komisch, ist aber so…

Ingress - Google erschafft die "augmented reality"... geocaching auf einem neuen level   Ingress - Google erschafft die "augmented reality"... geocaching auf einem neuen level

Ingress lässt sich nur spielen, wenn man sich in der Stadt bewegt. Jedes Portal ist an einen Ort, in der Regel Sehenswürdigkeiten oder andere markante Orte, gebunden. Man kann diese Portale nur dann hacken oder übernehmen, wenn man sich tatsächlich dorthin begibt…und jetzt wirds noch schräger, wirklich effektiv lässt sich das ganze nur dann spielen, wenn man sich dort mit anderen usern trifft, um gemeinsam vorzugehen. Langsam wird klar, warum hierfür der Begriff „augmented reality“ benutzt wird. Ein cyberwar, der an realen Orten und zusammen mit anderen usern ausgetragen wird, mit denen man sich dort verabredet hat.

Ingress - Google erschafft die "augmented reality"... geocaching auf einem neuen level

Zur Zeit kann man sich diesem Konstrukt nur anschließen, wenn man sich registriert und auf eine Einladung wartet. Voraussetzung ist ein account bei g+, auch wird die gesamte Kommunikation über diese Plattform abgewickelt. Facebook hat es damals mit Spielen wie „Farmerama“ vorgemacht, google hat es verfeinert und das ganze auf einen anderen level gehievt.

Die Teilnahme bekommt man über die Registierung auf der Seite und dann ist Geduld gefordert. Manche User haben nach wochenlangem Warten immer noch keinen Zugang bekommen. Dadurch erhält das Spiel eine gewisse Exklusivität. Ob und wann eine öffentliche Freigabe erfolgt, ist fraglich, da es schon jetzt einen invite-button in dem app gibt, der aber noch nicht aktiviert ist. Das wird noch getoppt, da das app nur für android verfügbar ist. Nichts deutet auf eine Einbindung von ios hin…was ja auch für google recht kontraproduktiv wäre.

Ich bin erst seit Kurzem dabei, aber ich stelle mir inzwischen imer mehr die Frage, ob das, was ich da inzwischen zelebriere, wirklich ein Spiel ist, oder ob die Verschwörungstheoretiker vielleicht doch recht haben, dass google auf dem Weg zur Weltherrschaft sich seine cyber-warrior heranzüchtet…wieso muss ich denn, bevor ich einkaufen gehe, die maps aufrufen, um zu schauen, auf welchem level die Portale auf dem Weg sind, oder sogar einen Umweg einzubauen, um noch ein paar gegnerische Portale zu übernehmen? Es ist alles dabei, was „die Kunst des Krieges“ ausmacht – Guerilla, Kollaborationen und Täuschungen

Die Frage bleibt einfach im Hinterkopf . . . ist es ein Spiel oder hat google hier ein Monster kreiert, dass „Die Welle“ salonfähig macht…oder Nerd-fähig? Wie auch immer die Messlatte angelegt wird, ich bin definitiv kein Nerd und das Spiel, oder was auch immer es sein mag, macht einfach Spaß…und darum geht es doch letztendlich.